Lokalisten Gästebucheintrag. Der Letzte.

Das hier ist meine erste Aktivität auf Lokalisten seit 2 Jahren.

Wenn ich mich in Lokalisten einlogge, bin ich plötzlich wieder 15/16 und wir (Du, Viki, ich) sind als die "Ätzenden" unterwegs, schreiben uns gegenseitig völlig ausgeflippte Kommentare und Nachrichten. Die letzten Fotos geben mir das Gefühl, als wäre unser Abend im Q-Club erst letztes Wochenende gewesen. Du bist mit deinen Kniestrümpfen, ich mit meinen unkontrollierbaren Haaren aufgefallen.

Normalerweise würde ich jetzt warten, dass du online gehst. Aber du wirst es nie mehr sein.

Zwei Jahre sind ins Land gestrichen und vieles hat sich seither geändert. Facebook hat Lokalisten abgelöst. Die "Alkitante" in dieser Form gibt es nicht mehr. Sie ist erwachsen geworden, arbeitet, lebt in einer eigenen Wohnung und ist äußerlich nicht mehr wieder zu erkennen. Von der alten, "ätzenden" Viki ist nur der Kurzhaarschnitt und der Hüftschwung geblieben, ihre Augen haben das Leuchten verloren. Und du? Du bist weg. 

Silvester 2011 sagten wir alle, dass es sein Scheißjahr wird. Jeder von uns dreien landete aus verschieden, aber gravierenden Gründen in der Klinik. Nur zwei kamen zurück.

Ich möchte auf deinen Tod nicht näher eingehen. Du wirst diesen letzen GB-Eintrag nie lesen, wahrscheinlich wird das niemand tun. Trotzdem möchte ich zumindest dem Server mitteilen, dass ich dich vermisse. Es vergeht kein Frühstück, keine Mittagspause, kein Feierabend, kein Sonnenuntergang, keine Partynacht, in der ich nicht an dich denke. Du bist der beeindruckendste und buchstäblich wundervollste Mensch, dem ich je begegnet bin.

Danke, dass ich dich meine Freundin nennen durfte.

Ruhe in Frieden.

2 Kommentare 3.8.12 14:05, kommentieren

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Summerwine (Fortsetzung folgt)

Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Bestimmt war es weit nach Mitternacht.
Der Himmel präsentierte sich in seiner unsagbaren Schönheit. Anders als in der Stadt war der Himmel so klar, dass man neben der Milchstraße unzählige Sternschnuppen beobachten. Trotz der späten Stunde war es noch typische Sommernacht. Die Verandatür ging auf, er trat mit einer Flasche Rotwein und zwei Gangenehm warm, eine angenehme Brise veranlasste die Palmen zu einem melancholischen Schaukeln. Er kam mit einer Flasche Wein und zwei Gläsern auf die Veranda. Wortlos setzte er sich neben mich und füllte die Gläser. Er schwenkte sein Glas, schnupperte und nippte ein wenig. Wir stießen an. Ein sanftes Klirren in der Nacht.
Nach ein paar Schlücken setzte er ab und sah gedankenverloren in die Sterne. Ich musterte ihn von der Seite. Sein Gesicht war markant und von der Zeit geprägt, unzählige Narben verliefen über seine Wange. Seine kurzen Haare ergrauten bereits am Ansatz, seine Augen waren im Mondlicht von einem gleichermaßen faszinierenden wie auch unheimlichen blau. Trotz seines hohen Alters war er ungemein attraktiv. "Die Sterne sind Gott ganz besonders schön gelungen." sagte er ohne den Blick vom Himmel zu wenden. Ich tat es ihm nach. "Hmmm."

3.8.12 01:40, kommentieren

Wie alles begann... (Fortsetzung folgt!)

"Weißt du ich habe alles im Leben schon ausprobiert. Partys, Liebe, einen Chihuahua, Gespräche über Gott und die Welt. Sex, Alkohol, Drogen und Urlaub auf Ibiza. Das einzigste was ich noch probieren muss, ist Sterben."
Das ist die Geschichte von Fee, meiner besten Freundin. Und irgendwie auch meine.
Es ist Ende Juni 2012, ein sonniger Vormittag. Ich sitze gerade in der Berufsschule und beginne an meinem Laptop zu schreiben. Bald verjährt sich ihr Tod zum ersten Mal und ich nehme diesen Zeitpunkt zum Anlass zurückzublicken.

Die Schusters lebten am Rande eines Münchner Vororts, direkt neben einem stillgelegten Militärflughafen der heute als Landschaftspark genutzt wird. Auf der Landebahn gab es eine Skateboardanlage, Grillstellen, Volleyballplätze und künstlich angelegte Teiche. Neben der Landebahn ist zudem ein neuer Friedhof entstanden mit einer postmodernen Kapelle. Das ganze Gelände, "Funpark" genannt, war ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche und Studenten der angrenzenden Sportuniversität der Bundeswehr.
Am späten Nachmittag kam ich mit Viki, ihrer jüngeren Schwester und bis dato engster Freundin, vom besagten Funpark zurück, da wir nahezu verdursteten.
Als wir gerade in der Küche uns an den Apfelschorlen-Vorräten bedienten, hörten wir aus dem Flur wie die Haustüre aufging. Während wir im Bikini auf dem Tresen saßen, kam sie zur Tür herein. Sie war ziemlich klein und dünn, hatte glattes braunes, schulterlanges Harr, das in Strähnen in ihr Gesicht hing. Markant waren ihre zwei große, runde freundlich blickende braunen  Augen - und wie ich es später nennen werde - ihre Hamsterbäckchen, die zum Teil mit Sommersprossen gesprenkelt waren.
Sie trug eine blaue Adidias Jogginghose, ein weißes Top und Chucks.
"Jooo Viki!" Für ihre Größe hatte sie eine beeindruckende Sprechlautsärke. Die Schwestern gaben sich ein High-Five. Dann sah sie mich an. "Hey, ich bin die Fee!" "Hi - Julia!"
Zu dritt saßen wir nun am kleinen Küchentisch. Sie kam gerade vom Krankenhaus wegen einer Blutabnahme. Und sie wollte heute an die Isar.

1 Kommentar 3.8.12 01:07, kommentieren